Noch nie war der Gas-Wechsel so einach

Nabucco kämpft mit Verzögerungen

Das ehrgeizige Pipeline-Projekt Nabucco, das Europa von russischem Gas unabhängig machen soll, kommt nur schleppend voran. Die Interessenlage innerhalb der EU ist gespalten.

Vor allem die osteuropäischen Staaten hängen noch zu großen Teilen am russischen Gastropf. Somit bekommen sie auch Krisen wie den Gasstreit zwischen der Ukraine und dem russischen Staatskonzern GazProm am unmittelbarsten mit. Aber auch das restliche Europa ist sehr von Russland abhängig: Knapp ein ganzes Viertel des Verbrauchs wird durch sein Gas gedeckt. Um diese unangenehme Situation langfristig zu ändern, wurde das Nabucco-Projekt initiiert. Über eine 3300 Kilometer lange Pipeline soll Gas aus Zentralasien um Russland herum nach Europa gepumpt werden, wodurch die Abhängigkeit von GazProm vermindert würde. Jedoch sind sich die EU-Mitglieder nicht vollständig einig über die Umsetzung des Projekts.

Bedenken bei Sicherheitsfragen

So wurden seitens einiger Mitglieder wiederholt Bedenken bezüglich der Sicherheit des Projekts auf mehreren Ebenen geäußert. Zunächst sei nicht vollständig geklärt, ob überhaupt genügend Gas in potenziellen Förderländern wie Aserbaidschan, Turkmenistan oder Kasachstan gefördert werden könne, um die Leitung zu versorgen. Außerdem gebe es Probleme mit der politischen Stabilität der Staaten – vor allem im Irak und Iran, die auch zum Kreis der möglichen Lieferanten gezählt werden. Darüber hinaus ist die Finanzierung des Projekts nicht vollständig gesichert. Die EU hatte zwar zunächst 8 MIo. € an Fördergeldern im Rahmen der Konjunkturpakete bereitgestellt – jedoch könnte die Finanzierung aufgrund der Unstimmigkeiten und Differenzen und der damit verbundenen Verzögerung bröckeln.

Russische Konkurrenzleitung

Aus einem Scheitern des Projekts würden vor allem Russland und GazProm Profit ziehen können. Denn der Staatskonzern hat zusammen mit dem italienischen Versorger Eni eine eigene Großpipeline in Planung. Die mit “South-Stream” betitelte Leitung wird als Nabuccos größter Konkurrent angesehen und würde den Russen gerade bei einem Verschwinden des Gegenspielers die Expansion des Einflussgebietes deutlich erleichtern.

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