Noch nie war der Gas-Wechsel so einach

Spitzenplatz für deutsche Gasspeicherung

In Deutschland kann ein Viertel des bundesweiten Jahresbedarfs an Erdgas unterirdisch gespeichert werden. Damit lässt die Bundesrepublik alle anderen europäischen Staaten hinter sich.

Mit einem Speichervolumen von rund 20 Milliarden Kubikmeter muss sich Deutschland weltweit nur den USA sowie Russland und der Ukraine geschlagen geben. Sowohl zahlenmäßig als auch relativ zum Jahresverbrauch liegt es im europäischen Vergleich deutlich vor anderen Staaten wie Großbritannien, das nur vier Prozent des Bedarfs speichern kann. 46 unterirdische Erdgasspeicher gibt es derzeit innerhalb unserer Grenzen und weitere 15 mit einem zusätzlichen Speichervolumen von drei Milliarden Kubikmetern Erdgas sind nach Informationen der “Welt” in Planung.
Erdgasspeicher können in unterirdischen Hohlräumen, auch Kavernen genannt, oder in Wasser führenden Gesteinsschichten eingerichtet werden. Von dort aus kann es je nach Bedarf wieder in die Leitungen eingespeist werden. Der Zweck der Speicher war es ursprünglich, den Überschuss aus den Gaslieferungen der verbrauchsarmen Sommermonate für die kalte Jahreszeit zu speichern. In Anbetracht der oft komplizierten und konfliktbeladenen Gaslieferungen aus dem Ausland erweisen die Speicher aber auch der Versorgungssicherheit einen guten Dienst. Erst Anfang des Jahres zeigte sich dies, als die deutschen Verbraucher trotz des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine und den darauf folgenden Lieferungsengpässen weiter beliefert werden konnten – mit Gas aus den Speichervorrichtungen.

Engagement und Geologie

Der deutliche Vorsprung Deutschlands auf diesem Gebiet gegenüber anderen Nationen hat seine Wurzeln zunächst einmal in dem Willen, trotz der aufwändigen und langwierigen Bauprozesse in die Gasspeicher zu investieren. Rund 130 Millionen Euro sind letztes Jahr in die Erschließung und den Bau neuer Untertagespeicher geflossen. Das seien rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr, heißt es in der “Welt”. Diese stattliche Summe kommt dadurch zustande, dass allein die Aushöhlung und Ausspülung der geeigneten Salzstöcke unter der Erde sehr genau und unter Umweltschutzauflagen durchgeführt werden muss. Zahlreiche Institutionen und öffentliche Stellen sind an dem Prozess beteiligt, was den bürokratischen Aufwand und somit die Kosten nicht unbedingt schmälert.
Abgesehen von diesem Engagement sind wir hierzulande aber auch mit einer “geologischen Premiumsituation” ausgestattet, wie Robert Sedlacek vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover erläutert. “Das sogenannte Norddeutsche Becken enthält Erdöl- und Erdgaslagerstätten, die als Gasspeicher nachgenutzt werden können.” Auch Salzstöcke und Wasser führende Gesteine böten weitere Potenziale, die hier ebenfalls ausreichend vorhanden seien. Für zukünftige Projekte und weitere Speicherraumerschließungen sei darüber hinaus ebenfalls genug Platz, versichert Sedlacek der “Welt”. So kann also die Erdgasversorgung der deutschen Verbraucher auch bei Importproblemen sicher gewährleistet werden.

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