Noch nie war der Gas-Wechsel so einach

Vattenfall: Rückzieher bei Nuon-Übernahme

Vor Monaten schon kündigte Vattenfall die Übernahme des niederländischen Energiekonzerns Nuon an. Nach wettbewerbsrechtlichen Bedenken seitens der EU-Kommission verzichtet Vattenfall nun allerdings auf das Deutschland-Geschäft von Nuon.
Für die deutschen Kunden von Nuon bedeutet dies eine große Erleichterung. Viele von Ihnen sind aufgrund der hohen Preise von Vattenfall zu Nuon gewechselt und würden bei einer Akquisition nun wieder in die Hände ihres ehemaligen Versorgers fallen. Da aber Vattenfall und Nuon mit Hamburg und Berlin die gleichen Hauptabsatzgebiete haben, kritisierte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes die Wettbewerbsschwächung, die aus diesem Deal hervorginge. Daraufhin entschied sich Vattenfall nun zu dem Rückzieher, um das Geschäft insgesamt nicht zu gefährden.

Geringes Ausmaß

So erfreulich dies für die deutschen Nuon-Kunden ist, zu denen im Stromsektor auch einige Bremer zählen, so unbedeutend ist der Verzicht insgesamt für den schwedischen Energieriesen. Denn von drei Millionen Strom- und Gaskunden sind nur 300.000 in Deutschland angesiedelt, von denen mit 30.000 Stück gerade einmal ein Prozent der Nuon-Kunden Gasbezieher sind. Vattenfall verzichtet also insgesamt nur auf rund zehn Prozent des Kundenstamms von Nuon, der zum Großteil in den Niederlanden und Belgien sitzt. Auch die Mitarbeiterzahlen belegen die unterschiedliche Gewichtung: Von 10.000 Angestellten arbeiten gerade einmal 400 innerhalb unserer Grenzen.
Ob sich Kroes trotzdem auf den Kompromiss einlässt und Vattenfall die Übernahme am 22. Juni genehmigt, gilt angesichts dieser Sachverhalte als eher zweifelhaft. Da jedoch auch der Konkurrent RWE jüngst den belgischen Versorger Essent nach einigen Querelen und Kompromissen, zu denen auch der Verzicht auf die Essent-Anteile am Bremer Versorger swb gehörten, schlucken konnte, könnte sich Vattenfall im Zweifel auf eine gleichberechtigte Behandlung berufen. Damit wären dann zwei große und wichtige Versorger der Benelux-Staaten jeweils in der Hand eines Energieriesen. Für den internationalen Wettbewerb und die angestrebte Öffnung des Marktes sind solche Expansionen der ehemaligen Oligopolisten mit Sicherheit kein Treibstoff – eher könnten die Pläne bei einem zu zaghaften Eingreifen der europäischen Wettbewerbskommission im Treibsand der großen Energiekonzerne versinken.

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