Noch nie war der Gas-Wechsel so einach

Gaspreise steigen zum Jahresende

Die Versorger werden die Preise für Erdgas nach den derzeit durchgeführten, verspäteten Senkungen zum Ende des laufenden Jahres voraussichtlich wieder spürbar anziehen. Damit werden die Verbraucher während der verbrauchsstarken Wintermonate erneut tiefer in die Tasche greifen müssen.
Die Protestrufe der Verbraucherorganisationen liegen schon in den Ohren. In gewohnter Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit erhöhen die Gasanbieter in Deutschland zum Jahresende und damit mitten in der Heizsaison, in der rund 80 Prozent des Jahresgasbedarfs verbraucht werden, erneut ihre Gebühren. Dies bestätigte der Chef des Unternehmens Wingas, Rüdiger Seele, nach Informationen des “Focus”. Zur Begründung des prognostizierten Anstiegs verwies er auf die gestiegenen Gaspreise. Sollte seine Ankündigung tatsächlich flächendeckend umgesetzt werden, würde die Gasbranche wieder einmal ihrer alten Strategie nachkommen, mit der sie ihre Kunden bereits seit geraumer Zeit belastet: Im Winter werden die Gaspreise so hoch wie möglich gehalten, um in der Heizsaison ordentlich Gewinn einzufahren. Wenn die Temperaturen wieder steigen, wird die brodelnde Kritik erhört und langsam und verzögert die Gebühren gesenkt. Das wird dann als großzügige und kundenfreundliche Aktion angepriesen – letztendlich kann es aber die überzogenen Preise vom Winter kaum wieder relativieren. Gerne wird bei den Erhöhungen auf die Kopplung der Gaspreisentwicklung an den Ölpreis verwiesen, so wie es nun auch Seele tut. Auf der anderen Seite werden fallende Ölpreise nur nach größerem Druck von außen und verspätet an die Kunden weitergegeben.

Keine Engpässe zu erwarten

Die momentane Taktik der Anbieter passt exakt in dieses Muster, auch wenn im Herbst noch Preissenkungen durchgeführt werden. Da die Erhöhungen generell schneller und deutlicher ausfallen als die Senkungsrunden, werden viele Gaskunden wohl auch im kommenden Winter nicht von dem derzeit durch die fast schon erzwungenen Senkungen ermöglichten günstigeren Preisen profitieren können.
Die Angst vor Lieferengpässen in Verbindung mit dem russisch-ukrainischen Konflikt konnte Wingas-Chef Seele immerhin mildern: „Gerade in Deutschland haben wir eine sehr, sehr sichere Gasversorgung“, beruhigt er Skeptiker. Von dieser Seite aus droht also auch aufgrund der großen Gasspeicherreserven in Deutschland keine Knappheit auf der Angebotsseite. Aber auch ohne derartige Probleme werden die Verbraucher die Folgen des mangelnden Wettbewerbs und der zu zögerlichen politischen Hilfe zu spüren bekommen. Angesichts dieser ernüchternden Aussichten lohnt sich ein Blick auf die Angebote des Gasmarktes, denn durch einen gut durchdachten Wechsel lassen sich oft trotz Preiserhöhung große Summen Geld sparen. Insgesamt kann aber nicht nur die Wechselwilligkeit der Bürger den so dringend benötigten Wettbewerb weiter anfachen. Es muss auch seitens der Regierung und des Kartellamts – das schon erste Schritte unternommen hat – deutliche Signale zu Gunsten der Verbraucher geben.

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